„Die Zukunft ist nicht die Verlängerung der Vergangenheit“

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„Die Zukunft ist nicht die Verlängerung der Vergangenheit“

„Wer rettet uns vor Hochwasser im Jahre 2030? Wo wird die Jugend sein? Welcher Handwerker wird die Schäden wegräumen? Wer pflegt wen, wenn wir immer älter werden?“ – wichtige Fragen, mit denen Dr. Winfried Kösters, Journalist aus Bergheim, uns in seinem Impulsvortrag bei der „Zukunftswerkstatt Kreis Düren 2030“ im Science College am Haus Overbach konfrontierte.

Die Bevölkerungsvorausberechnungen für den Kreis Düren zeigen, dass die Bevölkerung bis 2030 um etwa 2,5 Prozent schrumpfen wird. Das Durchschnittsalter wird um etwa vier Jahre auf fast 50 Jahre steigen. Der Anteil der Menschen über 65 Jahren wird bei fast 30 Prozent liegen. Rund 29 Prozent aller Kindergartenkinder wird einen Migrationshintergrund haben.

All diese Faktoren haben Auswirkungen auf unser Alltagsleben und unsere soziale Struktur. Daraus ergeben sich für uns drei Handlungsfelder:

  1. Fachkräfte: „Die Währung der Vergangenheit ist der Arbeitsplatz, die Währung der Zukunft ist die Fachkraft. Wichtig ist, dass wir früh lernen zu Lernen und, dass die Gesellschaft zu lebenslangem Lernen durch Fort- und Weiterbildung bereit ist.“, fordert Dr. Köster. Das bedeutet auch eine Veränderung in der Didaktik, denn junge Menschen lernen anders als ältere.
  2. Gesellschaftliche Teilhabe: Die Demokratie lebt vom Engagement. Dr. Kösters gab uns mit auf den Weg, dass wir immer mehr privates Engagement haben werden und dieses auch vergüten sollten. Denn Engagement ist Ehrensache und nicht Ehrenamt.
  3. Im Bereich der Mobilität brauchen wir Barrierefreiheit, Unterstützung von Selbsthilfepotentialen und eine Ergänzung von professionellen und ehrenamtlichen Berufen. Es bedarf mehr Miteinander der Generationen und der Kulturen, um dem Bedürfnis nach „Vielfalt des Wohnens“ und den zunehmenden Veränderungen unseres Lebensumfeldes gerecht zu werden.
  4. Wir werden weniger, älter und bunter. Durch die sinkenden Geburtenzahlen sowie steigende Lebenserwartung werden im Jahr 2030 mindestens 52.000 Menschen über 100 Jahren alt sein. Das bedeutet, dass wir eine neue soziale Realität haben, die es zu gestalten gilt. Ältere werden die Jobs von Jüngeren machen müssen. Hierzu frage ich mich, ob aufgrund dessen die „Sternsinger zu Seniorensängern werden?“, was das für unser Brauchtum bedeutet und wie sich das Renteneintrittsalter gestaltet, wenn wir alle 100 Jahre alt werden?
  5. Küsters rechnete vor, dass wir in vier Generationen auf 42 Prozent der Bevölkerung schrumpfen könnten, wenn weiterhin nur 1,4 Kinder pro Paar geboren werden. Um das zu verhindern, bräuchten wir heute eine Geburtenrate von 3,8 Kindern pro Paar!

Die Kernbotschaft der Zukunftswerkstatt lautet: „Wir brauchen ein neues Bild vom Alter, von den Alten und vom Altern!“

Es geht um Themen wie Altersassistenzsysteme, barrierefreies Wohnen, Smart Home und die Frage, wie man die Potentiale der zugewanderten Menschen in unsere Gesellschaft eingliedern kann.

Begeistert waren alle Teilnehmer vom Engagement der jungen Mitwirkenden der Zukunftswerkstatt. Schüler der 12. Klasse aus Kreuzau schlugen vor, ein Jugendparlament im Kreis einzurichten, damit sie sich – zu recht – aktiv in die Gestaltung der Zukunft des Kreises und der Gesellschaft einmischen können. Beeindruckt haben uns ihre Projektideen, zum Beispiel  „Düren – das neue Sillicon Valley“ oder „HEPS – Higher Education and Preperation School“ als Überbrückungsschule zur besseren Integration von Flüchtlingen.

„Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die zweitbeste ist heute!“ (afrikanisches Sprichwort) – Das heißt für mich: Den Prozess des demographischen Wandels müssen wir spätestens heute anpacken. Die Zukunftswerkstatt war ein Anfang des Dialogs, den wir hier bei uns im Kreis Düren mit Jung und Alt fortsetzen müssen.

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