Chancen der Rekultivierung dauerhaft nutzen

/, Region, Rheinisches Revier, Vor Ort/Chancen der Rekultivierung dauerhaft nutzen

Chancen der Rekultivierung dauerhaft nutzen

Besuch der Forschungsstelle Rekultivierung

Bei meinem Besuch der “Forschungsstelle Rekultivierung” war ich begeistert von der fachlichen Leistung des Teams um Forschungsstellenleiter Gregor Eßer und der Vielzahl an Projekten, die rund um die Sophienhöhe und den Tagebau Hambach in den letzten Jahrzehnten unter Beteiligung von Fachbüros, Wissenschaftlern, Behörden, Universitäten und Institutionen, aber vor allem auch mit zahlreichen ehrenamtlichen Naturschützern verwirklicht wurden.

Die Aufgaben der Forschungsstelle, die im Schloss Paffender beheimatet ist, reichen von der ökologischen und geologischen Auswertung der Rekultivierungsarbeit und Beobachtung der Wiederansiedlung von Pflanzen und Tieren in der neu geschaffenen Landschaft über praktische Artenschutz- und Naturschutzmaßnahmen bis zur breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit für Lehre und Umweltbildung in verschiedensten Veranstaltungen. Wenn man diese Aktivitäten betrachtet, wird deutlich, welch großen Stellenwert die Rekultivierung für den Erholungsraum einnimmt, ohne die die sanfte touristische Freitzeitnutzung der Sophienhöhe, bei der sich Mensch und Natur entfalten können, nicht Wirklichkeit worden wäre.

Alles startete mit dem so genannten “Lössabkommen” mit dem Land NRW, wie Werner Sihorsch, Leiter der Rekultivierung bei RWE und gewissermaßen “Mann der ersten Stunde” berichtete. Die Entscheidung “Braunkohle und Löss sind gleichwertige Materialien” bildete die Basis für die landwirtschaftliche Rekultivierung. Nichts desto trotz wird das in den 60er Jahren entstandene Flächendefizit der Landwirtschaft bleiben, denn das Restloch wird See.

Rekultivierung ist ein täglicher Prozess

Beeindruckend finde ich, dass es heute nur eine Stunde braucht, um das Material, dass abgebaggert wird, an anderer Stelle wieder einzubauen. Aus der großen “geologischen Toolbox” entsteht eine große Standort- und damit Artenvielfalt. So werden nitratarme Urböden an die Oberfläche gebracht, auf denen wieder Orchideen wachsen, Dünenlandschaften oder Steilkanten geschaffen, wo sich ufertypische Vögel ansiedeln oder in Offenlandschaften Sonderstrukturen wie Blühstreifen oder Luzerne angebaut, die sonst in der Landwirtschaft nur einen geringen Anteil einnehmen.

Standortvielfalt schafft Artenvielfalt 

Auch das Thema Altwälder durfte in unserer Diskussion nicht fehlen, ist doch der Restwald des Hambacher Forstes weiterhin in aller Munde. Hier konnte ich lernen, dass die Bechsteinfledermaus nur bei der Aufzucht der Jungen aus alte Eichen angewiesen ist und die Flugkorridore, die man von Nörvenich bis Jülich angelegt hat, gut angenommen werden. Ganz nebenbei berichten mir die Menschen, dass die so geschaffenen neuen Landschaftsmerkmale auch positiv für uns bewertet werden.

Man glaubt es kaum, aber der Artenreichtum an der Sophienhöhe mit ca. 3000 Tier- und 1300 Pflanzenarten ist heute höher als 1978 vor Beginn des Tagebaus. Alle Arten von damals sind noch da und es sind zahlreiche neue aus dem Umland eingewandert, so z.B. auch die Wildkatze.

Entwicklung der Zukunft 

Wie schaffen wir es, dieses Wissen den Menschen in unserer Region näher zu bringen?

Die sanfte touristische Erschließung des Raums um die Sophienhöhe und den Tagebau Hambach und des gesamten Raums, dieser Insel zwischen den Tagebauen, wird neben den Fragen nach der zukünftigen sicheren Energieversorgung und einer ausreichenden Zahl an Arbeitsplätzen für die Menschen in der Region als ein Standbein des Strukturwandels Berücksichtigung finden.

Wer an einem schönen Tag selbst die Sophienhöhe erwandert, wird feststellen, wie gut dieser Raum bereits für die Naherholung angenommen wird. Alle Altersgruppen, Spaziergänger und Wanderer, Läufer und Mountainbiker genießen die Stunden in der Natur. Für Familien mit Kindern lädt der Naturerlebnispfad, der maßgeblich von Melanie Gutmann von der Forschungsstelle Rekultivierung gestaltet wurde, zum spielerischen Entdecken und Staunen ein. Wenn wir die Jugend mit einbeziehen, kann es uns gelingen, die gemeinsame Chance für eine gemeinschaftliche Gestaltung des Tagebauumfelds zu nutzen.

https://www.forschungsstellerekultivierung.de/rekultivierung-entdecken/naturerlebnispfad-sophienhoehe/index.html

2019-02-26T13:59:05+00:0010. Februar 2019|Allgemein Region, Region, Rheinisches Revier, Vor Ort|Kommentare deaktiviert für Chancen der Rekultivierung dauerhaft nutzen